Gerne weisen wir an dieser Stelle auf das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt NetGiT hin, das vom ISA Münster durchgeführt wird.
Ausgangslage und Zielsetzung
Der ab dem Schuljahr 2026/27 geltende Rechtsanspruch auf „Ganztagsförderung“ bringt für die örtliche Jugendhilfe- und kommunale Bildungsinfrastruktur vielfältige Herausforderungen mit sich. Insbesondere der prognostizierte Personalmehrbedarf wird vor dem Hintergrund eines sich regional verschärfenden Fachkräftemangels als ein zentraler Engpass für die Bereitstellung und Weiterentwicklung der Ganztagsbildung und -förderung für Grundschulkinder betrachtet.
Im Unterschied zu rechtsanspruchserfüllenden Angeboten im System Kita/Hort, die durch landesrechtliche Ausführungsgesetze zum SGB VIII, einschließlich ergänzender Personalverordnungen geregelt sind, gibt es in den meisten Bundesländern nahezu keine verbindlichen landesrechtlichen Vorgaben für notwendige Qualifikationen des eingesetzten Personals im schulischen Ganztag. In den kommunalen Angebotsstrukturen werden Bildungs- und Betreuungsangebote im schulischen Ganztag häufig in einem Personalmix aus Fachkräften und Personal ohne einschlägige grundständige Ausbildung (Quereinsteigende) umgesetzt.
Insbesondere in den westdeutschen Bundesländern, in denen aufgrund einer im Ost-West-Vergleich geringeren Beteiligungsquote ein hoher Ausbaubedarf im Ganztag besteht, sind Quereinsteigende eine bedeutende Zielgruppe für den weiteren Ausbau der Ganztagsangebote in und an Ganztagsschulen. Durch eine Verankerung des subjektiven Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung im SGB VIII obliegt die Verantwortung für die Planung, Ausgestaltung und Durchführung rechtsanspruchserfüllender Angebote im Wesentlichen auf der kommunalen Ebene. Somit wird das Zusammenwirken verantwortlicher kommunaler Akteure bei der Entwicklung geeigneter Personalstrategien eine notwendige Bedingung für die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Ganztagsangebote.
Das Projekt NetGiT setzt an dieser Ausgangslage an, indem es das gemeinsame Wirken zuständiger Träger des Ganztags auf den Ebenen Schulträger, öffentlicher Jugendhilfeträger und freier Jugendhilfeträger (Kommunale Verantwortungsgemeinschaft) stärkt und sie bei der Entwicklung eines gemeinsamen Qualitäts- und Kooperationsverständnisses unterstützt. Ein zentrales Ziel ist die für die Planung und Steuerung des schulischen Ganztags verantwortlichen Kommunalen Trägertrios, bei der Entwicklung tragfähiger kommunaler Personalstrategien fachlich zu unterstützen. Dabei werden kommunale Personalstrategien nicht nur als Maßnahme zur Gewährleistung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung betrachtet, sondern explizit als zentraler Baustein einer örtlichen Qualitätsentwicklung und -sicherung im Ganztag.
Aufbau und Vorgehen im Projekt NetGiT
Das ISA NetGiT-Projektteam arbeitet in einem zwölfmonatigem Austauschnetzwerk mit zehn Kommunen bzw. Kommunalen Trägertrios aus Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalenzusammen.
Ein Kommunales Trägertrio besteht aus maximal drei Personen – jeweils eine Person aus dem örtlichen Jugendamt, dem Schulträger sowie einer Stellvertretung der Ganztagsträger. Somit besteht ein Austauschnetzwerk insgesamt aus 30 Personen Im Rahmen eines zwölfmonatigen Austauschnetzwerks finden zwei ganztägige Netzwerktreffen in Präsenz sowie vier kürzere Online-Formate statt.
Nach Beendigung des ersten Austauschnetzwerkes erfolgt eine zweite zwölfmonatige Austauschphase mit zehn neuen Trägertrios aus den genannten Bundesländern. Insgesamt werden somit in zwei Durchläufen 20 unterschiedliche Kommunen bzw. Kommunale Trägertrios adressiert.
Das ISA NetGiT-Projektteam und der kollegiale Austausch in den Netzwerken unterstützt die Kommunalen Trägertrios bei der Entwicklung gemeinsam abgestimmter Personalstrategien für den Ganztag (z.B.: Personalakquise, -bindung und -entwicklung, Quereinstieg, Qualifizierung, Onboarding- und Mentoring-Konzepte etc.). Ausgangspunkte für alle Entwicklungsprozesse im Projekt sind jeweils die konkreten Entwicklungsbedarfe der teilnehmenden Kommunen bzw. Kommunalen Trägertrios. Das ISA NetGiT-Projektteam unterstützt die Entwicklung geeigneter Maßnahmen durch die Gestaltung und Moderation der Netzwerktreffen, durch die Bereitstellung einer geschützten Austauschplattform sowie durch fachliche Expertise, Praxisbeispiele, Beratung und Prozessbegleitung. Zentraler Bestandteil des Vorhabens ist darüber hinaus die redaktionelle Aufbereitung wichtiger Arbeitsergebnisse und Erkenntnisse durch das ISA NetGiT-Projektteam, die als Transferprodukte für eine breite Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website in den Links unten.